Rückblick auf das FI-Jahr 2008
von Robert Hülsbusch
An 25 Tagen gab es Einträge in unseren Veranstaltungskalender. Im Vergleich zu 2007 sind das etwa 1/3 weniger Veranstaltungen. Wir haben darüber gesprochen, dass wir zurzeit weniger Ressourcen haben, unsere Kräfte stärker bündeln müssen. Das wird auch die Aufgabe für 2009 sein – konzentrierter und vielleicht effektiver Themen setzen und politische Botschaften transportieren.
Dass dies unbedingt notwendig ist, auch darüber haben wir gesprochen:
Der Klimawandel nimmt Fahrt auf. Der Hunger und die Armut in der Welt nehmen zu. Gewalt und Kriege eskalieren. Ganz aktuell – wieder wird das Bundeswehrkontingent für Afghanistan aufgestockt.
Aber keine Angst – bei uns herrscht trotz eines realistischen Blicks auf die Entwicklung der Welt - keine Endzeitstimmung. Viele positive Entwicklungen sind zu verzeichnen. Dass Nottuln den ersten Solarpark in NRW gebaut und in Betrieb genommen hat, ist nur eine davon.
Also – ein Drittel weniger Aktivitäten – aber immer noch viele – viel mehr als vergleichbare Organisationen in der Bundesrepublik auf die Beine stellen – viel mehr auch als andere politische Organisationen hier vor Ort durchführen.
Fast jede zweite Woche eine Aktion, eine Veranstaltung. Dazu kommen noch die wöchentlichen Treffs. Daran kann man mal sehen, dass wir immer noch viel Zeit miteinander verbringen - zusammen arbeiten, aber auch feiern. Da passt es gut, dass wir – fast im Familienrahmen hier – bei Kaffee - zusammen sitzen. Diese Aktivitäten sind nicht in drei Minuten erzählt. Deshalb bitte ich um etwas Geduld.
Auch die FI beschäftigte sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise. Seit vielen Jahren steht bei uns auch die Wirtschaftspolitik auf der Agenda – immer auf der Suche nach Alternativen zum herrschenden Wirtschaftsystem, das bekanntlich große Umweltprobleme, Armut und Gewalt produziert.
Im Januar stellte sich die GLS-Bank bei uns in Nottuln vor. Auch die örtlichen Geldinstitute waren mit von der Partie.
Und als dann in der zweiten Hälfte des Jahres alles zusammen zu krachen schien, luden wir mit Prof. Dr. Pfingsten einen Finanzexperten ein, der uns die Hintergründe erklärte, aber auch mögliche Perspektiven aus dieser Krise wies.
Eine Folgeveranstaltung findet nun am 10. März um 19.30 Uhr in Dülmen statt. ATTAC Coesfeld lädt ein und hat Otmar Schreiner – SPD-Linker – zu Gast.
Schwerpunkt Afghanistan
Wie im Jahr 2006 und 2007 stand auch 2008 ganz oben auf unserer Agenda das Thema Afghanistan. Dass dieses Thema uns erhalten bleibt, ist auch dem neuen US-Präsidenten zu verdanken, der sich in Afghanistan noch mehr engagieren will und dies auch von den Verbündeten fordert.
Unsere Botschaft in 2008 war:
Es gibt Perspektiven aus der militärischen Sackgasse. Ein Strategiewechsel ist notwendig: Militär zurückfahren und zivile Maßnahmen stärken und ausbauen. Das 20-Punkte-Papier von Sahlmann, der im April in Nottuln war, haben wir ausführlich diskutiert – und bekannt gemacht und kontrovers diskutiert – mit Angelica Schwall-Düren und mit Karl Schiewerling, der zur Verstärkung noch Ruprecht Polenz mitbrachte. Diesen Ansatz gilt es auch in 2009 zu verfolgen. Und einige kleine Anzeichen gibt es, dass auch in der deutschen und auch in der US-Politik in diese Richtung gedacht wird.
Das Zeitfenster für einen Neuanfang in Afghanistan schließt sich. Auch Winni Nachtwei weist immer wieder darauf hin.
Neben den öffentlichen Veranstaltungen bestanden unsere Afghanistan-Aktivitäten darin, mit dem MdB zu diskutieren. Zwei Beispiele:
Im Januar schrieben wir ihnen einen Brief mit der Aufforderung, dass der Bundestag nicht auch noch Kampftruppen in dieses geschundene Land schickt. Im August baten wir die Abgeordneten, der Verlängerung des Mandates nicht zuzustimmen.
An die MdB haben wir zur Bundestagsentscheidung geschrieben, dass sie die Verlängerung der Mandate ablehnen soll.
Wir blieben auch 20078 nicht bei dieser theoretisch politischen Diskussion, sondern wurden im positiven Sinne aktiv: Wir organisierten wieder eine Weihnachtsspendenaktion zugunsten der Menschen in Shina – in der Nähe von Kabul. „Naan“ Nahrung für Bildung“ hieß und heißt das Programm. Dazu luden wir auch Sabine Tecklenburg-Khorosh und ihren Mann Mahmut ein. Zusammen mit dem Verein „Gemeinnützige HilfeAfghanistan“ sammelten wir über 3000 Euro. Der Verein zeigte uns noch mal, wie man in diesem geschundenen Land Aufbauarbeit leistet – mit der Bevölkerung zusammen, mit allen, die vor Ort das Sagen haben.
Auf den vielen Fotos, die wir vor Weihnachten in der Sparkasse ausstellen durften, wurde dies noch mal unterstrichen. Ausdrücklich möchte ich an dieser Stelle die sehr gute Kooperation mit der Sparkasse Nottuln betonen, möchte bedauern, dass der Leiter der SK, Herr Overhage, geht und gleichzeitig die Hoffnung ausdrücken, dass diese gute Zusammenarbeit mit der Nachfolgerin weitergeht.
Zum Jahreswechsel brach wieder die offene Gewalt im Nahen Osten aus. Was Israel dort vorführte, war kein Krieg, sondern eine „Exekution“. Schon lange fordert die Friedensinitiative Nottuln zusammen mit der Friedensbewegung eine andere Nah-Ost-Politik. Der Film „Die eiserne Mauer“, den wir zum Jahresende uns anschauten, machte noch mal deutlich, wie verworren die Situation dort ist, und dass es erst eine Friedensperspektive für diese Region mit Auswirkungen auf die ganze Welt gibt, wenn die Besatzungspolitik beendet wird, die Besiedlungspolitik überwunden wird und die Mauer wieder fällt.
In einem anschaulichen Reisebericht, den Clemens Ronnefeldt, Friedensreferent des Intern. Versöhnungsbundes, unterstrich im Dezember hier in der Alten Amtmannei diese Sichtweise.
Wie gewohnt machte Clemens uns Hoffnung. Es gäbe Zeichen, dass ich zwischen den Fronten im Nahen Osten etwas täte. Zeichen der Ermutigung.
Drei Wochen später bombardierte Israel den Gazastreifen und die Raketen der Hamas schlugen in israelische Dörfer ein.
Desertion
Immer wieder unterstützte die FI in den vergangenen Jahren Menschen, die sich dem Krieg entziehen, die von der „Fahne“ gehen.
Auf der letzten Jahreshauptversammlung der FI im Februar in Appelhülsen hielt Pastor ter Horst einen beeindruckenden Vortrag über seine Unterstützungsarbeit für Deserteure.
Seit einigen Wochen zahlen wir regelmäßig in einen kleinen Fond ein, aus dem US-Soldaten, die sich dem Irakkrieg entzogen haben, ein Lebensunterhalt ermöglicht wird.
Im März fand hier in der Alten Amtmannei eine beeindruckende Lesung statt. Rudi Friedrich von der Organisation Connection e.V. las auch dem Buch eines US-Deserteurs.
Im Mai riefen wir deutsche Soldaten auf, den Einsatz in Afghanistan zu verweigern.
Und wir beteiligten uns – sehr aktiv – an einem Arbeitskreis zur Umgestaltung der Kapelle an der Kath. Kirche zu einer Friedensgedenkstelle. Pfarrdechant Tietmeyer, dem die Federführung obliegt, suchte die Kooperation.
Gleichwohl haben wir in der Sitzung des Kulturausschusses im Oktober – als ein Bericht über die Umgestaltung der Kapelle auf der Tagesordnung stand – deutlich gemacht: Die neue Kapelle, wenn sie denn kommt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. In unserem Bemühen, auch in Nottuln Raum für das Thema Desertion zu schaffen, reicht uns dies nicht. Wir werden also an dem Projekt „Ein Deserteurdenkmal für Nottuln“ weiter arbeiten.
Afghanistan und der Nahe und Mittlere Osten stehen im Focus unserer Arbeit. Aber auch andere Kriege und Krisenherde haben wir nicht vergessen: Im Mai hatten wir wieder Barbara Gladysch zu Gast – Mütter für den Frieden. Zur Erinnerung – seit vielen Jahren unterstützt die FI die Arbeit dieser Frau, die Kinderprojekte in Tschetschenien – genannt: Kleiner Stern.
Natürlich gehen wir weiter auf die Straße für Frieden und Gerechtigkeit – wann – na natürlich Ostern. So fand auch – unter äußerlich eisigen Bedingungen – im vergangenen Jahr der Osterfriedensgang zur Bruder-Klaus-Kapelle in den Baumbergen statt.
Nach wie vor verfolgen wir den Schwerpunkt: Klima und Energie.
Seit vielen Jahren sind Fragen der Energie und des Klimas unser Thema: Energiepolitik ist Friedenspolitik. Gott sei dank, hat sich diese Erkenntnis langsam aber sicher durchgesetzt.
Und dass nun ein PV-Park in Appelhülsen installiert wurde, ist natürlich in erster Linie der Arbeit der Gemeindeverwaltung und des BM zu verdanken. Aber ich behaupte: Die FI hat seit über 10 Jahren sich für eine solare Zukunft in Nottuln engagiert, hat zahlreiche – auch ganz praktische – Aktivitäten entwickelt und hat damit ein gutes Solar-Klima geschaffen und so die Durchsetzung eines solchen ehrgeizigen Projekte zumindest vereinfacht
Im Mai nahm Nottuln auf Anregung der FI zum ersten Mal an der Solarwoche teil. Wieder in der Sparkasse durften wir eine Ausstellung zeigen, die – nach Aussagen von Christian Overhage sehr viel Resonanz erfuhrt.
Auf Vermittlung der FI wurden auch in diesem Jahr weitee Solaranlagen auf die Dächer von Eigenheimen installiert.
Auch 2008 erhielten Leute aus der FI wieder den Klimapreis. Diesmal wurde die Solarinitiative innerhalb der FI mit diesem Preis geehrt. Mit vielen Informationsveranstaltungen und mit konkreter Unterstützungsarbeit hat diese Solarinitiative dazu beigetragen, dass in Nottuln überdurchschnittlich viele Solaranlagen auf den Dächern zu sehen sind.
Mitglieder beteiligten sich aktiv an der Arbeit der Bürgersolaranlagen, die – das zeigte die Gesellschafterversammlung in Frühjahr – sehr erfolgreich arbeiten. Der erste Gewinn, den die Anlagen erzeugten, wurde als Darlehn der Gemeinde für den Solarpark in Appelhülsen zur Verfügung gestellt.
Wenige weitere FI-Aktivitäten 2008 möchte ich im Telegrammstil vorstellen:
Mit mehreren Aktivitäten wies die FI auf Jahrestage hin, die im Zusammenhang mit der deutschen NS-Geschichte stehen.
Die interessanteste war sicher die Veranstaltung „Tischgespräche mit Hitler“, die hier in der Alten Amtmannei im Rahmen der Novembertage stattfand und bei allen Anwesenden einen großen Eindruck hinterließ.
Mit einer PM wiesen wir auf den 22. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl hin. (Auch ein Besuch der weißrussischen Stadt Narowlja wurde im Frühjahr 2008 durchgeführt.)
Am Muttertag gaben wir den Tipp raus: Fair gehandelte Blumen kaufen!
Im November feierten wir den 60. Geburtstag von Angelica Schwall-Düren, MdB
Im Dezember trafen wir uns mit Andre Stinka, MdL, zum Kamingespräch
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Die FI hat sich aktiv und engagiert in die vielen Arbeitskreise eingebracht –
1 Aktionskreis JP, Hildegard und Ulla
2 Partnerschaftskomitee, Jürgen und Robert
3 Lokale Agenda Heinz und Norbert
(4 ATTAC-COE )
6 Runder Tisch gegen Gewalt Ingeborg und Udo
9 Initiative "ProWindCOE" Norbert
10 bundesweite "Kooperation für den Frieden" Robert
11. FairPla.net Norbert
Dass die FI-Arbeit insgesamt erfolgreich war, zeigt die große Resonanz, die die FI erfuhr.
An den Veranstaltungen und Aktionen nahmen in der Regel viele Menschen teil.
Ca. 100 Zeitungsberichte informierten die Leser der WN, des Stadtanzeiger und der Streiflichter über die Aktivitäten der FI.
Ca. 70 Newsletter wurden an jeweils fast 300 Adressen verschickt. In der Regel Einladungen zu Veranstaltungen und Aufforderungen bei Aktionen mitzumachen.
Weit über 50 Treffen der Aktiven gab es in der Alten Amtmannei -- auch in den Sommerferien.
Ca. 10 Aktive sitzen hier jeden Montag um 19.30 Uhr Uhr am Tisch.
Unterstützt wird diese Arbeit durch über 70 Vereinsmitglieder - ideell, aber auch finanziell.
Wir arbeiten, aber wir genießen auch unser Beisammensein - bei den Sommertreffen der FI, bei der 1. Mai - Tour, bei der Herbstfahrt – (hatte in diesem Jahr ein ziemlich kleines Format), bei unserem Jahresrückblicksfest und bei privaten Festlichkeiten.
Möglich wird diese Arbeit auch – durch die unermüdliche Arbeit unseres Geschäftsführers Norbert Wienke, die vor wenigen Tagen uns alle zu seinem 60. Geburtstag eingeladen hatte.
Norbert wird gleich seinen Bericht halten. Schon jetzt möchte ich mich bei Norbert bedanken.
Im Namen der ganzen FI
Und mit den Worten von
Roger Reinhard
In der Ruhe liegt die Kraft
für Norbert
zum 60.Geburtstag
Kinder wie die Zeit vergeht!
Wie eilig sich die Erde dreht!
Wie rasch der Nonnenbach zur Stever fließt,
wie schnell sich die in Lippe, Rhein und Meer ergießt!
Wir alle haben keine Ruh,
ausgenommen Norbert, Du!
In Deiner Ruhe liegt die Kraft,
die für uns schafft:
Du führst die Geschäfte der FI
mit alternativer Energie.
Du nutzt den Rücken- wie den Gegenwind
und Sonnenkraft als Lieblingskind.
Bist fit im Umgang mit Finanzen
wie ein Turnschuh auch beim Tanzen!
So wie jetzt alle Gäste lechz ich,
da Du gerade sechzig,
zu Deinen Ehren
mein Glas zu leeren:
Norbert, wir wollen noch lange mit dir
rechnen
und zech(n)en!!
14. Februar 2009
Roger